Er "möbelt" nicht nur Möbel auf



Biedermeier gilt nicht nur als Bezeichnung einer Stilepoche, sondern war auch der Ausdruck von Geringschätzung - ein Gedanke, der heute unvorstellbar geworden ist. denn ob Biedermeier, Jugendstil, Barock oder eine andere Stilepoche: Mit all diesen Dingen wird ein Möbelrestaurator in seiner Arbeit konfrontiert. Dies soll das Beispiel von Thomas Hartan zeigen. Der Ahorner Restaurator ließ das TAGEBLATT bei seiner Arbeit über die Schultern schauen.

Das Aufgabengebiet eines Restaurators ist vielfältig und vielseitig: Sicher ist die gebrauchsfähige und optisch ansprechende Wiederinstandsetzung alter Familienmöbel oder Holzteile, die auf dem Speicher einen Dornröschenschlaf schlummerten, das bekannteste Bespiel. Aber auch Skulpturen und Inneneinrichtungen aller Art umfassen die Arbeit des Restaurators.

Historische Haustüren, alte Treppen, Treppenhäuser und Inneneinrichtungen gehören genauso dazu wie Nähmaschinen, Besteckkästen und alle Dinge die man früher aus Holz gefertigt hat. Aber auch verwitterten Kirchturmkugeln, Wetterhähnen, Ladenschildern und Maserungen auf Weichholzmöbeln verleiht Thomas Hartan ein neues "altes" Aussehen. Ebenso muss der Handwerksmeister Versicherungs-Gutachten erstellen oder Rekonstruktionen zerstörter Kunstschätze vornehmen. Da dieses umfangreiche Aufgabengeibiet nich alleine zu meistern ist, hat Thomas Hartan ene Mitarbeiterin un arbeit mit anderen Kollegen und Gewerken zusammen.

"Das Ziel der heutigen Restaurierung ist es, durch auf ein Minimum beschränkte Eingriffe am Objekt das Erscheinungsbild zu erhalten", sagt Hartan. Dies ist durch historische Arbeitsweisen traditionelle und althergebrachte Methoden der Oberflächenbehandlung wie ölen, wachsen, mattieren und polieren mit Schellach möglich. Sein Ehrgeiz sei es nicht, ein Objekt wie neu aussehen zu lassen, sondern den Charakter des Möbelstückes zu erhalten. Dabei ist der Einsatz von Maschinen fast nicht möglich und meist auch nicht nötig. Polster- und Flechtarbeiten an Sitzmöbeln sowie die Bekämpfung von Schädlingen mit einem speziellen Heißluftverfahren, das gesundheitlich und ökologisch völlig unbedenklich ist, umfassen einen weiteren Teil von Hartans Arbeit.

"Hautnah dabei"


Auf Wunsch ermöglicht es Thomas Hartan, dass seine Kunden die Aufarbeitung ihres Möbelstücks hautnah mit erleben können. Dabei erläutert der Fachmann in seiner Werkstatt die Arbeitsschritte.

Der Tischlermeister und geprüfte Restaurator arbeitet nun seit mehr als zehn Jahren in diesem Beruf, der Ihm, wie er sagt, immer wieder neue Herausforderungen stellt und auch in dieser Weise Freude bereitet. Von Bauernmalerei, dem Schnitzen von Wurzeln und Aufarbeiten von alten Möbeln war Thomas Hartan bereits in seiner Jugend fasziniert. Nach seiner Tischler-Lehre und der Gesellenzeit absolvierte er die Meisterschule zum Tischlermeister.

Da ihm der Erhalt von alten Möbeln sehr am Herzen liegt, entschloss sich Thomas Hartan, nach seiner Meisterprüfung noch einmal die Schulbank zu drücken. Er ließ sich zum geprüften Restaurator an der Akademie für Restauratoren in Ebern ausbilden.

Nach Abschluss der Akademie baute er sein Handwerksgeschäft und seine Werkstatt kontinuierlich aus Thomas Hartan bekommt nicht nur Aufträge aus Deutschland, sonder ist auch international gefragt, zum Beispiel bei Restaurierungsarbeiten in England.


Der Holzwurm 

Der bunte Finke baut sein Nest
dem schönsten Waldbaum ins Geäst.
"Am Ersten soll die Hochzeit sein.
Der Baum ist mein."

Da kommt ein Mann im Jägerkleid
und mist den Baum, wie hoch, wie breit,
und gräbt dem Stamm ein Zeichen ein.
"Der Bau ist mein."

Ein kleiner Wurm, man sieht ihn kaum,
guckt mit dem Köpflein aus dem Baum
und lacht und spricht ganz leise:
"Nein, der Baum ist mein."